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Alt 08.01.2005, 00:59   #1 (permalink)
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Standard Bedeutung von angeborenen Herzfehlern

Bedeutung von angeborenen Herzfehlern


Die häufigsten Herzmissbildungen beim Hund sind Pulmonalstenose (Verengung der Lungenarterie), Subaortenstenose (Verengung der Hauptschlagader), fortbestehender Ductus arteriosus Botalli (bleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie, abgekürzt PDA) und Herzkammerscheidewanddefekte. Je nach Schweregrad eines Defektes kann ein Hund eine normale Lebenserwartung bei normaler Lebensqualität haben, oder er entwickelt früher oder später Anzeichen eines Herzversagens oder aber er stirbt einen Sekundentod. Bei den genannten Missbildungen kann schon im Welpenalter ein Verdacht auf eine Missbildung bestehen, da diese Defekte ein Herzgeräusch hervorrufen. Nicht jedes Herzgeräusch beim Welpen bedeutet jedoch, dass eine Missbildung vorliegt. Bis im Alter von 4-5 Monaten kann auch bei völlig gesunden Hunden gelegentlich ein feines Herzgeräusch gehört werden, welches aber dann verschwinden sollte. Bei Herzfehlern braucht man nicht immer ein Stethoskop, um ein abnormales Geräusch festzustellen. Oft kann bereits mit der am Brustkorb aufgelegten Hand die (abnormale) Turbulenz im Blutfluss als Schwirren gespürt werden.
Wenn der Verdacht auf einen angeborenen Herzfehler besteht, sollte eine vollständige kardiologische Abklärung vorgenommen werden, um eine exakte Diagnose stellen zu können. Die Defekte werden mittels Herzultraschalluntersuchung inklusive der so genannten Doppleruntersuchungen (Bestimmen der Blutflussgeschwindigkeit) quantifiziert, um jene Tiere herauszufiltrieren, bei welchen eher eine schlechte Prognose besteht und ein therapeutischer Eingriff Sinn machen würde. Als Regel sollte bei Hunden mit Verdacht auf eine angeborene Herzmissbildung so früh wie möglich eine genaue Diagnose gestellt werden, so dass behandelbare Defekte baldmöglichst behoben werden können. Eine exakte Diagnose ist nicht nur für Hundebesitzer/innen, sondern auch für Züchter/innen von Bedeutung. Obwohl nicht jeder angeborene Herzfehler vererbt ist, sollte im Zweifelsfall darauf verzichtet werden, mit betroffenen und den mit ihnen verwandten Hunden zu züchten.
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Alt 08.01.2005, 01:00   #2 (permalink)
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Standard Therapeutische Möglichkeiten

Therapeutische Möglichkeiten

Grundsätzlich kann ein angeborener Herzfehler medikamentell, chirurgisch oder mittels minimalinvasivem Eingriff behandelt werden. Minimalinvasive Chirurgie bedeutet, dass nicht mehr der Brustraum mittels Skalpell eröffnet werden muss und nicht mehr direkt manuell am Herzen operiert wird. Stattdessen wird mittels Kathetern durch ein Gefäss am Hinterbein oder am Hals von der Ferne am Herzen gearbeitet. Dadurch entfallen einerseits die möglichen Komplikationen einer offenen Brustoperation, andrerseits sind diese Eingriffe praktisch schmerzfrei, da beim Eintritt in die Gefässe nur ein kleiner Hautschnitt von 3-4 mm notwendig ist. Je nach Herzfehler wird dann entweder eine Stenose (d. h. eine Verengung) mittels Ballon aufgesprengt oder eine abnormale Öffnung mittels spezieller Materialien verschlossen. Solche Eingriffe können nur an wenigen Zentren durchgeführt werden und erfordern eine spezielle Ausbildung und Ausrüstung.
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Alt 08.01.2005, 01:03   #3 (permalink)
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Standard Ballon-Erweiterung einer Pulmonalstenose

Ballon-Erweiterung einer Pulmonalstenose


Häufigste Ursache einer Pulmonalstenose beim Hund ist eine missgebildete Pulmonalklappe. Dabei sind die Klappensegel verdickt und verklebt, so dass das Blut gegen einen erhöhten Widerstand vom rechten Herzen in die Pulmonalarterie zur Lunge gepumpt werden muss (Abbildung 1).

Abbildung 1:
Herzultraschallbild eines 6 Monate alten Hundes mit einer Pulmonalstenose. Die Pulmonalklappe (zwischen den Kreuzen) ist verdickt und verklebt. Der Muskel des rechten Herzens ist massiv verdickt.



Bei einer leichtgradigen Stenose haben die Hunde zwar ein Herzgeräusch, aber eine normale Lebenserwartung und Belastbarkeit. Bei einer hochgradigen Stenose muss davon ausgegangen werden, dass die Hunde vorzeitig sterben. Der Schweregrad wird mittels Dopplerultraschalluntersuchung anhand der Blutflussgeschwindigkeit bestimmt (Abbildung 2).

Abbildung 2:
Dopplerultraschallbild eines 5 Monate alten Hundes mit einer Pulmonalstenose.
Die Spitzengeschwindigkeit des Blutflusses im Bereich der abnormalen Klappe ist mit 5.7 m/s sehr hoch (normal<1.5 m/s). Die Stenose gilt damit als hochgradig.



Bei einer hochgradigen Stenose ist ein Eingriff zur Behandlung empfohlen. Während Pulmonalstenosen bis vor einigen Jahren noch am offenen Herzen operiert wurden, kann heute in den meisten Fällen eine Erweiterung der Engstelle mittels Ballon erreicht werden. Dabei wird z. B. an der grossen Halsvene ein Katheter in das rechte Herz und durch die Pulmonalarterie in die Lunge geschoben. Über diesen Katheter wird dann ein Ballon genau auf die Engstelle geschoben und unter hohem Druck aufgeblasen (Abbildung 3).

Abbildung 3:
Röntgenbild einer 2-jährigen Bordeaux-Dogge während einer Ballondilatation einer Pulmonalstenose. Die Einschnürung im Ballon zeigt die noch verengte Pulmonalklappe an.



Auf diese Weise können Klappenverklebungen gesprengt und dadurch die chronische Drucküberlastung des rechten Herzens oft massiv verringert werden. Falls neben Klappenverklebungen auch ausgeprägte Klappenverdickungen vorliegen, wird die Entlastung des rechten Herzens nach der Ballonierung weniger erfolgreich sein. Gesamthaft wird eine Ballondilatation einer Pulmonalstenose bei über 80% der betroffenen Hunde eine deutliche Verbesserung bewirken.



Behandlung der Subaortenstenose
Da bei einer Subaortenstenose nicht die Klappe selber für die Engstelle verantwortlich ist, bringt eine Ballondilatation bei dieser Missbildung wenig. Auch eine Chirurgie am offenen Herzen scheint keinen Einfluss auf den weiteren Lebensverlauf zu haben. Deshalb wird bei einer Subaortenstenose empfohlen, rein medikamentell (Betablocker) zu behandeln. Betablocker haben einen positiven Einfluss auf die progressive Verdickung der Herzwand und auf Herzrhythmusstörungen, welche Folge der Herzmuskelveränderungen sind. Betablocker können damit das Leben verlängern.
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Alt 08.01.2005, 01:08   #4 (permalink)
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Standard Katheter-Verschluss eines fortbestehenden Ductus arteriosus

Katheter-Verschluss eines fortbestehenden Ductus arteriosus


Obwohl manche Hunde mit einem PDA (= persistierender Ductus Arteriosus) jahrelang mehr oder weniger beschwerdefrei leben können, entwickeln die meisten unbehandelten Hunde früher oder später ein Herzversagen und sterben oft schon in jungen Jahren. Deswegen ist ein Eingriff in jedem Fall empfohlen, und zwar besser früher als später, bevor sich bereits Folgeschäden am Herzen gebildet haben. Während bis vor kurzem die einzige Behandlungsmöglichkeit eine Operation am offenen Brustkorb war, kann heute dieser Defekt oft mittels Katheter verschlossen werden. Dabei wird ein Katheter durch die Arterie an der Schenkelinnenseite zum Herzen vorgeschoben. Mittels Kontraströntgendarstellung wird sodann der Durchmesser des PDA exakt gemessen (Abbildung 4).

Abbildung 4:
Darstellung eines PDA bei einem Hund. Durch einen Katheter (K), welcher in der Aorta (A) liegt, wurde Röntgenkontrastmittel injiziert. Auf dem Bild kann gesehen werden, dass durch den PDA (Pfeil) fälschlicherweise Blut von der Aorta direkt in die Lungenarterie (P) fliesst.



Schliesslich wird durch den Katheter eine spezielle Spirale in den PDA vorgeschoben und an der engsten Stelle platziert. Diese Spirale wird dann ein lokales Gerinnsel verursachen, welches zusammen mit der Spirale den Durchgang permanent verschliesst (Abbildung 5).

Abbildung 5:
Röntgenbild eines 1-jährigen Hundes, bei dem ein PDA mittels Spirale verschlossen worden ist.


Behandlung eines Kammerscheidewanddefekts
Je nach Schweregrad können Hunde mit einem Scheidewanddefekt ein normales Leben führen oder sie entwickeln wiederum früher oder später Anzeichen eines Herzversagens. In der Humanmedizin werden diese Defekte meistens chirurgisch am offenen Herzen verschlossen. Diese Möglichkeit besteht in der Veterinärmedizin in Europa bislang noch nicht oder nur in Ausnahmefällen in Zusammenarbeit mit Humanchirurgen. Somit werden bei diesen Fällen bei Bedarf die Folgeschäden (Herzversagen) medikamentell behandelt.
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Alt 26.06.2005, 19:09   #5 (permalink)
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Standard Auch hier Urheberrecht völlig misachtet

Bedeutung von angeborenen Herzfehlern


Bedeutung von angeborenen Herzfehlern *** Therapeutische Möglichkeiten: * Ballon-Erweiterung einer Pulmonalstenose * Behandlung der Subaortenstenose * Katheter-Verschluss eines fortbestehenden Ductus arteriosus * Behandlung eines Kammerscheidewanddefekts

Die häufigsten Herzmissbildungen beim Hund sind Pulmonalstenose (Verengung der Lungenarterie), Subaortenstenose (Verengung der Hauptschlagader), fortbestehender Ductus arteriosus Botalli (bleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie, abgekürzt PDA) und Herzkammerscheidewanddefekte. Je nach Schweregrad eines Defektes kann ein Hund eine normale Lebenserwartung bei normaler Lebensqualität haben, oder er entwickelt früher oder später Anzeichen eines Herzversagens oder aber er stirbt einen Sekundentod. Bei den genannten Missbildungen kann schon im Welpenalter ein Verdacht auf eine Missbildung bestehen, da diese Defekte ein Herzgeräusch hervorrufen. Nicht jedes Herzgeräusch beim Welpen bedeutet jedoch, dass eine Missbildung vorliegt. Bis im Alter von 4-5 Monaten kann auch bei völlig gesunden Hunden gelegentlich ein feines Herzgeräusch gehört werden, welches aber dann verschwinden sollte. Bei Herzfehlern braucht man nicht immer ein Stethoskop, um ein abnormales Geräusch festzustellen. Oft kann bereits mit der am Brustkorb aufgelegten Hand die (abnormale) Turbulenz im Blutfluss als Schwirren gespürt werden.
Wenn der Verdacht auf einen angeborenen Herzfehler besteht, sollte eine vollständige kardiologische Abklärung vorgenommen werden, um eine exakte Diagnose stellen zu können. Die Defekte werden mittels Herzultraschalluntersuchung inklusive der so genannten Doppleruntersuchungen (Bestimmen der Blutflussgeschwindigkeit) quantifiziert, um jene Tiere herauszufiltrieren, bei welchen eher eine schlechte Prognose besteht und ein therapeutischer Eingriff Sinn machen würde. Als Regel sollte bei Hunden mit Verdacht auf eine angeborene Herzmissbildung so früh wie möglich eine genaue Diagnose gestellt werden, so dass behandelbare Defekte baldmöglichst behoben werden können. Eine exakte Diagnose ist nicht nur für Hundebesitzer/innen, sondern auch für Züchter/innen von Bedeutung. Obwohl nicht jeder angeborene Herzfehler vererbt ist, sollte im Zweifelsfall darauf verzichtet werden, mit betroffenen und den mit ihnen verwandten Hunden zu züchten.



Bedeutung von angeborenen Herzfehlern *** Therapeutische Möglichkeiten: * Ballon-Erweiterung einer Pulmonalstenose * Behandlung der Subaortenstenose * Katheter-Verschluss eines fortbestehenden Ductus arteriosus * Behandlung eines Kammerscheidewanddefekts
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Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 5/2000
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 01 / 835 77 35

Autor:
Dr. med. vet. Tony Glaus
Leiter der Abteilung für Kardiologie
Tierspital Universität Zürich
Winterthurerstr. 260, CH-8057 Zürich

Quelle


Zitat:
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Bedeutung von angeborenen Herzfehlern


Die häufigsten Herzmissbildungen beim Hund sind Pulmonalstenose (Verengung der Lungenarterie), Subaortenstenose (Verengung der Hauptschlagader), fortbestehender Ductus arteriosus Botalli (bleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie, abgekürzt PDA) und Herzkammerscheidewanddefekte. Je nach Schweregrad eines Defektes kann ein Hund eine normale Lebenserwartung bei normaler Lebensqualität haben, oder er entwickelt früher oder später Anzeichen eines Herzversagens oder aber er stirbt einen Sekundentod. Bei den genannten Missbildungen kann schon im Welpenalter ein Verdacht auf eine Missbildung bestehen, da diese Defekte ein Herzgeräusch hervorrufen. Nicht jedes Herzgeräusch beim Welpen bedeutet jedoch, dass eine Missbildung vorliegt. Bis im Alter von 4-5 Monaten kann auch bei völlig gesunden Hunden gelegentlich ein feines Herzgeräusch gehört werden, welches aber dann verschwinden sollte. Bei Herzfehlern braucht man nicht immer ein Stethoskop, um ein abnormales Geräusch festzustellen. Oft kann bereits mit der am Brustkorb aufgelegten Hand die (abnormale) Turbulenz im Blutfluss als Schwirren gespürt werden.
Wenn der Verdacht auf einen angeborenen Herzfehler besteht, sollte eine vollständige kardiologische Abklärung vorgenommen werden, um eine exakte Diagnose stellen zu können. Die Defekte werden mittels Herzultraschalluntersuchung inklusive der so genannten Doppleruntersuchungen (Bestimmen der Blutflussgeschwindigkeit) quantifiziert, um jene Tiere herauszufiltrieren, bei welchen eher eine schlechte Prognose besteht und ein therapeutischer Eingriff Sinn machen würde. Als Regel sollte bei Hunden mit Verdacht auf eine angeborene Herzmissbildung so früh wie möglich eine genaue Diagnose gestellt werden, so dass behandelbare Defekte baldmöglichst behoben werden können. Eine exakte Diagnose ist nicht nur für Hundebesitzer/innen, sondern auch für Züchter/innen von Bedeutung. Obwohl nicht jeder angeborene Herzfehler vererbt ist, sollte im Zweifelsfall darauf verzichtet werden, mit betroffenen und den mit ihnen verwandten Hunden zu züchten.
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