Einzelvogel oder Gruppenhaltung?
4. Einzelvogel oder Gruppenhaltung?
Keine der als Heimtiere gehaltenen Vogelarten, weder Kanarienvögel, Zebrafinken, Wellensittiche, Agaporniden noch Nymphensittiche, leben unter natürlichen Bedingungen als Einzelgänger. Auch Papageien sind auf den dauernden Kontakt zu Artgenossen unbedingt angewiesen.
Kanariengirlitze leben in der Fortpflanzungszeit in Paaren und während der übrigen Zeit des Jahres in lockeren Gruppen. Wellensittiche sind auch während der Brutzeit mindestens in Gruppen vergesellschaftet und streifen während der Restzeit des Jahres in Schwärmen zu vielen Hunderten auf der Suche nach Futter, Wasser und Schlafplätzen umher. Ähnlich leben Zebrafinken und viele andere Prachtfinkenarten. Die Agapornisarten kommen in großen Schwärmen vor. Das vielstimmige Rufen der Rosenköpfchen aus den Felswänden Namibias und die sich unter der Last hunderter Pfirsichköpfen biegenden Zweige an der abendlichen Wasserstelle in Tansania wird niemand vergessen, der sie einmal gesehen und gehört hat.
Die Einzelhaltung ist also nicht tiergerecht und überlässt den Vogel einem langweiligen, trostlosen und einsamen Leben. Der Mensch kann nie ein Ersatz für einen Artgenossen sein. Besonders gravierend wird die Situation eines einzeln gehaltenen Vogels, wenn der Tierhalter tagsüber abwesend ist. Vögel sind tagaktiv und in hohem Masse in allen Lebensäusserungen vom Licht abhängig. Am Abend also einen munteren Kumpanen zu erwarten, zeugt von der Unkenntnis bezüglich der natürlichen Lebensweise der Vögel.
Auch die Einzelhaltung eines Gesangskanarienmännchens ist heute immer noch die Regel, weil man annimmt, dass nur ein einzeln gehaltenes Männchen auf der Suche nach einem Weibchen singe. Bei der Paarhaltung wird von gewissen Züchtern empfohlen, ein junges Kanarienmännchen im Herbst aus der Zucht des gleichen Jahres zu erwerben und ihm erst im darauffolgenden Frühjahr ein Weibchen zuzugesellen. Ein Männchen singt aber nicht nur zur Balzzeit, sondern auch zur Revieranzeige, und dabei ist ein Weibchen nur förderlich. Eine geringe Gesangseinbusse um den Preis der Einzelhaltung gegenüber den vielfältigen Lebensäusserungen eines Kanarienpaares ist heute wohl kaum mehr zu diskutieren.
Verschiedene Arten im gleichen Gehege
Es ist zu beachten, dass das Mischen verschiedener Vogelarten zu Zänkereien, zum Teil mit Verletzungen, führen kann, besonders bei Papageienartigen sowie während der Brutzeit. Hier sollte man in jedem Fall den Rat erfahrener Vogelhalter oder spezialisierter Fachtierärzte einholen, die über ein spezielles Fachwissen bezüglich der neuen Erkenntnisse der tiergerechten Vogelhaltung verfügen.
Grundsätzlich muss beachtet werden, dass Vögel immer Kontakt zu Sozialpartnern der gleichen Art haben müssen, und dass nur Arten im gleichen Gehege gehalten werden, die auch zusammen passen. Da es vorkommt, dass auch Individuen der gleichen Art nicht miteinander auskommen, ist insbesondere bei der Haltung eines einzelnen Paares darauf zu achten, dass die Vögel untereinander harmonieren. Keinesfalls dürfen unverträgliche Tiere unter beschränkten Platzverhältnissen zwangsverpaart werden.
Zucht
Die Zucht ist bei vielen Arten ohne große Schwierigkeiten möglich. Es soll jedoch nur gezüchtet werden, wenn die Voliere so groß ist, dass der Lebensraum auch für eine Gruppe mit Nachzucht optimal gestaltet werden kann und wenn bereits vor Zuchtbeginn sichergestellt ist, dass verantwortungsvolle Abnehmer vorhanden sind, die eine tiergerechte Vogelhaltung gewährleisten können.
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Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz,
Glück und Unglück;
sie werden
durch die selben Gemütsbewegungen betroffen
wie wir.
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