Hundeerziehung
Ein gut erzogener Hund ist eine wahre Freude, nicht nur für seinen Besitzer, sondern auch für andere Menschen (selbst für solche, die eigentlich keine Hunde mögen!). Aber wie erzieht man seinen Hund? Wann soll man mit der Erziehung anfangen? Wer soll es tun? Im Folgenden wollen wir nur einige grundsätzliche Regeln nennen. Die im Einzelnen richtigen Methoden erfahren Sie besser aus der Fachliteratur oder von den Experten der Hundevereine. 1. Zunächst sollten Sie sich grundsätzlich überlegen, was der erwachsene Hund einmal tun darf oder lassen soll. An diese Regeln gewöhnen Sie ihn vom ersten Tag an! Ein Welpe, der anfangs alles durfte, weil er ja noch so herzig und putzig war, wird mit ziemlicher Sicherheit ein Familientyrann. Er versteht später nicht, dass er plötzlich das eine oder andere Liebgewonnene nicht mehr darf. Er wird versuchen, sich sein "Recht" zu erzwingen, mit Schmeicheln, Knurren, Jaulen oder sogar Beißen - und er hat, vom Hundestandpunkt aus gesehen, völlig Recht. Hundeeltern sind niemals inkonsequent, sondern machen ihren Jungen sehr früh klar, wo die Grenzen sind. Dulden Sie - zumindest bei den etwas wichtigeren Dingen - unter gar keinen Umständen Ausnahmen. Füttern Sie zum Beispiel NIE etwas vom Tisch! - Der Hund wird sonst "behaupten", das hätte er ja schon immer gedurft.
KONSEQUENZ ist eines der "Zauberworte", die die Hundeerziehung erfolgreich machen. Das zweite "Zauberwort" heißt LIEBE. Sie glauben nicht, wie viel positive Zuwendung Ihr Hund braucht und was er nicht alles dafür tun wird! Damit ist nicht gemeint, dass Sie den Hund ständig verwöhnen sollen. Toben Sie mit Ihrem Hund, spielen und raufen Sie mit ihm, sooft Sie Lust und Zeit haben und vor allem: loben Sie den Hund, wenn er zu Ihnen kommt, wenn er tut, was Sie wollen (auch wenn Sie ihn dazu gezwungen haben), loben Sie ihn überschwänglich: durch Sprechen, Streicheln, Leckerbissen. Der Hund wird sich merken: wenn ich bei Frauchen/Herrchen bin, ist das angenehm; wenn ich nicht tue, was verlangt wird, "beißt" Frauchen / Herrchen.
edenken Sie, wie ein Tier lernt: bestimmte Tätigkeiten sind mit Lustgefühlen verbunden, andere mit Unlustgefühlen oder sogar mit Schmerzen. Da aber jedes Lebewesen danach strebt, Unangenehmes zu vermeiden und möglichst viele Lustgefühle zu haben, wird der Hund mit der Zeit alles daran setzen, das zu tun, was Sie wollen: denn das bringt ihm ja die erwünschten Vorteile. Daraus ergibt sich aber, dass Lob und Tadel unmittelbar auf die Handlung folgen müssen, damit das Tier auch die richtige Verknüpfung herstellt. Dafür ein Beispiel: Bello läuft weg; Sie rufen, schreien, locken - Bello aber findet die Spur, auf der er seine Nase hat, viel interessanter (Lustgefühl). Erst nach geraumer Zeit fällt ihm ein: "Ich habe doch irgendwo mein Frauchen / Herrchen stehen lassen!" Freudig trabt Bello zurück: tatsächlich, da ist ja Frauchen / Herrchen! Aber - statt der gewohnten herzlichen Begrüßung überfällt ihn ein himmlisches Donnerwetter. Bello ist völlig durcheinander: "Was habe ich denn getan? Darf ich denn nicht mehr zu Frauchen / Herrchen kommen?" und genau das wird sich der Hund merken: Wenn Frauchen / Herrchen ruft und ich komme, dann bekomme ich
Prügel - also: Ich verfolge lieber diese hochinteressante Spur, denn das macht Spaß!
Wenn Sie diesen Erziehungsfehler bereits gemacht haben: interpretieren Sie die Demutshaltung, mit der Ihr Hund nach jeder "Extratour" zu Ihnen zurückkommt, bitte auf keinen Fall als "schlechtes Gewissen" ("Der weiß ganz genau, dass er das nicht durfte!") - das ist nämlich ein ganz gehöriger Trugschluss. Der Hund weiß, dass Sie ihn strafen werden und hat Angst davor - er weiß aber nicht, warum Sie das tun! Das dritte "Zauberwort" schließlich ist das VERTRAUEN, das der Hund zu seinem Besitzer fassen muss.
Dieser muss es sich durch Gerechtigkeit und liebevolle Zuwendung schon beim Welpen, aber besonders auch beim erwachsenen Hund, der vielleicht schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, erwerben. Dazu gehört auch, dass einem Hund nie Dinge abverlangt werden dürfen, die für ihn mit Schmerzen verbunden sind. 2. Wann soll man mit der Erziehung anfangen? Sofort, vom ersten Tag an, egal, ob Sie nun einen erwachsenen Hund, der noch einige Lektionen lernen muss, bei sich aufgenommen haben, oder einen Welpen.
Je früher der Hund die Grundregeln lernt, desto sicherer behält er sie. Was allerdings häufig unterschätzt wird: auch der ältere oder alte Hund kann noch erzogen werden und Neues dazulernen - auch wenn der Lernprozess bei ihm vielleicht etwas länger dauert. Jeder Hund springt gern auf weiche Polster, von wo aus er einen schönen Überblick über das Geschehen rundherum hat. Wenn Sie aber nicht wünschen, dass Ihr Hund auf Sessel oder Sofa springt, dann verbieten Sie es ihm sofort und immer und strafen Sie ihn ruhig mit einem kräftigen "Pfui!" oder einem leichten Klaps. Der Hund kann eine energische Zurechtweisung und auch einen großen Puff ohne weiteres vertragen (Hundeväter gehen bisweilen sehr grob mit ihren Kindern um). Legt sich der Hund daraufhin brav an den ihm zugewiesenen Platz, muss er natürlich wieder gelobt und gestreichelt werden. 3. Wer soll den Hund erziehen?
In der Regel derjenige, der am meisten mit dem Hund zu tun hat, der die Spaziergänge macht und das Futter gibt (Kinder unter 10 - 12 Jahren nicht!). Vor allem sollte nur diese eine Person mit dem Tier arbeiten, alles andere führt, da niemals zwei Menschen ein Tier völlig gleich behandeln, zu keinem guten und sicheren Ergebnis. Überlegen Sie mit der Familie, wer den Hund "führen" soll, wer die Richtlinien der Erziehung und Haltung bestimmt und alle anderen halten sich aus der Erziehung heraus. Der Hund wird das Gelernte mit Sicherheit auf die anderen höherrangigen "Rudelmitglieder" übertragen. Bemühen Sie sich immer, freundlich zu Ihrem Hund zu sein; üben Sie nie mit ihm, wenn Sie nervös, gereizt oder wütend sind, denn der Hund spürt das und bezieht Ihre schlechte Laune auf sich. Außerdem: überfordern Sie Ihren Hund nicht: arbeiten Sie nicht länger als 20 - 30 Minuten täglich mit ihm!
Was sollte ein gut erzogener Hund können?
Er sollte - ohne an der Leine zu ziehen und zu zerren im gleichen Tempo wie sein Frauchen/Herrchen laufen, - keine anderen Hunde belästigen (gespielt wird nur, wenn beide Hundebesitzer einverstanden sind), - sich auf Kommando "Sitz" hinsetzen und nur nach Aufforderung wieder aufstehen, - sich auf Kommando "Platz" hinlegen und so lange liegen bleiben, bis ein anderer Befehl erfolgt - auch wenn Frauchen/Herrchen sich kurz entfernt, - wenn er frei läuft, auf Ruf oder Pfiff sofort zu Frauchen/Herrchen zurückkommen, - kein Futter von Fremden nehmen oder irgendwo vom Boden aufnehmen, nicht betteln und erst recht kein Essen vom Tisch holen, - Besucher nicht anspringen, aber auch nicht freudig zu jedem hinlaufen, - nicht bei jedem Geräusch wie ein Wilder kläffen.
Drei Lernabläufe - in Kurzform erklärt
"SITZ!" - Sie stellen sich neben Ihren Hund, halten mit der einen Hand die Leine so, dass er sich nicht hinlegen kann. Die andere, gespreizte Hand, legen Sie kurz vorm Oberschenkelansatz auf dem Rücken auf und üben, während Sie das Kommando "Sitz!" aussprechen, Druck aus, bis der Hund sich hinsetzt. Sofort loben Sie ihren Hund und streicheln ihn. Sollte er aber nun vor Freude wieder aufstehen wollen, tadeln Sie ihn mit einem scharfen "Pfui" und setzen, wie oben beschrieben, sofort wieder durch, dass das Tier sich setzt.
"PLATZ!" - Zunächst veranlassen Sie den Hund, sich zu setzen. Dann zeigen Sie mit dem Zeigefinger auf den Boden, sprechen "Platz!" und ziehen den Hund mit der Leine vorsichtig zu Boden. Liegt der Hund korrekt, also nicht auf der Seite oder gar auf dem Rücken, wird er gelobt, ansonsten muss augenblicklich korrigiert werden. Viele Hunde sperren sich gegen den Platz-Befehl zunächst, es ist daher wichtig, dass Sie nicht die Geduld verlieren und so lange üben, bis der Hund mindestens einmal in korrekter Platz-Lage gewesen ist.
"BEI FUß!" - Entscheiden Sie sich, auf welcher Seite der Hund bei Ihnen gehen soll (in der Regel links) und führen Sie ihn konsequent nur an dieser Seite. Zum Erlernen des "Bei Fuß" veranlassen Sie das Tier, sich neben Sie auf die gewünschte Seite zu setzen. Die (lockere) Leine halten Sie in beiden Händen. Nun geben Sie das Kommando "Fuß!" und gehen mit ruhigen Schritten los, wobei Sie durch geringes Rucken an der Leine den Hund dazu bringen, neben ihnen herzugehen. Der Kopf des Hundes sollte etwa auf einer Höhe mit ihrem Bein sein. Bleibt der Hund zurück oder versucht er, vorzupreschen, rucken Sie kräftig an der Leine - lassen Sie auf keinen Fall zu, dass das Tier an der Leine zieht, denn dann erreichen Sie überhaupt nichts. Viele Hundebesitzer versuchen das "Bei Fuß" ohne das notwendige Rucken zu lehren. Bei ihnen beobachtet man dann leider allzu oft, dass zunächst das Lederhalsband mit einer Würgekette vertauscht wird, diese dann mit einem Stachelhalsband - jedoch bleibt das alles ohne Erfolg! Zum Schluss hat sich der Hund so an das Stachelhalsband gewöhnt, dass er auch derart geschunden nach Herzenslust zerrt.
Fazit: Das Kettenhalsband, das nicht auf Zug gestellt ist und das energische Rucken an der Leine sind die Mittel der Wahl, um das "Bei Fuß" innerhalb kürzester Zeit durchzusetzen! Sie sehen, es ist einige Erziehungsarbeit von Ihnen zu leisten. Um die Lernabläufe für Befehle ausführlicher zu erklären, fehlt uns hier leider der Raum. Aber es gibt viele gute Bücher zu diesem Thema, beachten Sie dazu bitte unsere "Büchertipps"! Wenn Sie - und das geht vielen anderen Hundebesitzern auch so - mit der Erziehung Ihres Hundes nicht so zurechtkommen, wie Sie sich das vorgestellt haben, scheuen Sie sich bitte nicht, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nicht nur der Tierschutzverein, auch viele Gebrauchshundevereine und professionelle Hundeausbilder bieten Kurse zur Hundeerziehung für den "normalen Durchschnittshund" an.
Wir raten aber dringend dazu, sich zunächst ein Bild über die Tierfreundlichkeit der Ausbildungsmethoden zu machen, um dann gemeinsam mit dem Hund den Kurs zu besuchen. Die Erfahrung zeigt, dass es zwar für Fachleute ein Leichtes ist, einen Hund zu erziehen, die alten Probleme aber dann wieder auftauchen, wenn das Tier wieder zu seinem Besitzer in die altbekannte Umgebung zurückkehrt. Der Hundebesitzer ist es, der lernen muss, Gehorsam zu vermitteln und durchzusetzen, sonst schleift sich das Erlernte beim Hund im Alltag schnell wieder ab.
Quellenangabe:
www.tierheim-muenster.de