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Alt 22.12.2004, 09:50   #1 (permalink)
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Standard Unsauberkeit bei Katzen

Unsauberkeit bei Katzen
Ursachen und Gegenmaßnahmen:
Als Stubenreinheit bezeichnet man jenes Verhalten einer Katze, bei dem sie im Freien in der Erde oder bei Wohnungshaltung auf einer eigens dafür vorgesehenen Katzentoilette, mit geeigneter Einstreu gefüllt, Harn und Kot absetzt und verscharrt. Alles, was dem zuwider abläuft, bezeichnet man als Stubenunreinheit. Wir möchten uns diesem Problem intensiv widmen, weil es vom Katzenhalter einigen Spürsinn erfordert, die Gründe für dieses Fehlverhalten aufzuspüren. So kann die Stubenunreinheit eine gravierende Verhaltensstörung sein, die nicht immer leicht zu beeinflussen ist. Ein Grund für fehlende Stubenreinheit kann beispielsweise auf Instinktverlust zurückgeführt werden. Ist das Kätzchen nicht spätestens im Alter von drei Monaten sauber, so wird es das wahrscheinlich nie mehr. Angeborene Sinnesdefekte oder Intelligenzmangel können ein weiterer Grund sein. Auf Grund unserer reichhaltigen Erfahrungen in der Katzenhaltung in unserem Tierheim können wir getrost behaupten, dass der Verlust der Stubenreinheit aus den angeführten Gründen eine Seltenheit darstellt. Hohes Alter und Verlauf verschiedener Krankheiten können ebenfalls Unsauberkeit verursachen. Die Ausscheidungen können von der Katze einfach nicht mehr gehalten werden. Dieses ist dann keine psychologisch bedingte, sondern eine organische Störung, die tierärztlicher Behandlung bedarf. Ein weiterer Grund für den gelegentlichen oder dauerhaften Verlust der "guten Manieren" ist im Sexualverhalten von Katzen zu suchen. Rollige Kätzinnen und besonders unkastrierte Kater setzen zu Markierungszwecken häufig dort Harn und Kot ab, wo das der menschliche Pfleger nicht gern hat. Bei dieser Unsauberkeit handelt es sich nicht etwa um neurotisches Fehlverhalten, sondern um ganz natürliches Markierungsverhalten. Darum wird es auch vorzugsweise in der Nähe von Fenstern oder Türen durchgeführt.

Dieses Problem ist ganz einfach mittels einer Kastration sowohl der männlichen als auch der weiblichen Katze zu lösen. Was uns in diesem Zusammenhang aber am meisten interessiert, sind jene Fälle, in denen Katzen ihre verlässlich besessene Stubenreinheit aus Gründen seelischer Störungen verlieren. Das passiert dann, wenn sie durch irgendwelche Gründe in einen seelischen Zwiespalt geraten sind und längere Zeit hindurch in einem Konfliktzustand leben müssen. Ein Bedürfnis kann nicht gestillt werden, ein Wunsch nicht erfüllt oder eine gewohnte Tätigkeit (z. B. Freigang) nicht ausgeführt werden oder eine Angewohnheit (z. B. im Bett des Menschen zu schlafen) nicht mehr ausgelebt werden. Das alles und mehr kann das seelische Gleichgewicht der Katze empfindlich stören. Verhaltensforscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer Entlastungsreaktion. Wiederum andere Katzen reagieren auf Störungen ihres psychologischen Wohlbefindens mit gesteigerter Aggressivität. Eine gewisse angeborene Veranlagung für das eine oder andere Fehlverhalten scheint mit eine Rolle zu spielen. Durch ein großes Versäumnis des Katzenhalters kann ebenfalls Unsauberkeit hervorgerufen werden. Viele Katzen benutzen ihre Toilette nur einmal. Wird also das Katzenklo nicht rechtzeitig gereinigt, setzt sich Mieze nicht in die Schüssel, sondern daneben.

Darum die Faustregel: Immer eine Toilette mehr aufstellen, als Katzen in der Wohnung gehalten werden. Auch darf die Toilette nicht mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden, es sei denn, es geschieht auf Anweisung des Tierarztes. Abgesehen davon, dass die Desinfektion des Katzenklos der Gesundheit von Mensch und Tier abträglich ist, meidet die Katze schon des scharfen Geruches willen diesen Ort. Ein unruhiger oder falsch gewählter Standort der Katzentoilette kann ebenfalls ein Grund dafür sein, dass die Katze diesen Ort nicht aufsucht und Kot und Harn an nicht erwünschten Stellen absetzt. Ein weiteres Beispiel für den Verlust der Stubenreinheit: Eine Katze oder auch zwei sich verstehende Katzen leben harmonisch und in völliger Eintracht mit ihren Menschen zusammen. Mit dem Frieden und der Sauberkeit der Katze(n) kann es schnell vorbei sein, wenn der Katzenhalter eine weitere Mieze bei sich aufnimmt. Ältere Katzen tun sich besonders schwer, ihr Reich mit einem Neuankömmling zu teilen. Wenn dann auch noch die "Neue" besonders verhätschelt wird, möglicherweise den Schlafplatz der Alteingesessenen erobert und diese womöglich von Frauchen oder Herrchen auch noch aus dem Schlafzimmer verwiesen wird, dann ist die Reaktion darauf - nämlich der Verlust der Stubenreinheit - nur zu verständlich.

Die Katzen fühlen sich in ihren Territoriumsansprüchen und in ihren Rechten auf Zuwendung zurückgesetzt. Nicht verscharrter Kot und Harn bedeutet bei Katzen nämlich: "nicht weitergehen - dieses Territorium ist besetzt". Bei einigen Katzen reicht allein die Anwesenheit einer anderen Katze, um ihre bis dahin zuverlässige Sauberkeit zu beenden. Katzen lieben im Allgemeinen ein ruhiges und beschauliches Leben. Eine laute Umgebung, verbunden mit Türenknallen, häufigem Kommen und Gehen, kann sie aus dem Gleichgewicht bringen und Unsauberkeit hervorrufen. Wer einen so lebhaften Haushalt führt, sollte mit der Anschaffung eines so sensiblen Haustieres warten, bis z. B. die Kinder größer geworden sind und eine gewisse Ruhe wieder eingekehrt ist. Auch die Ankunft eines Babys oder die Aufnahme eines Hundes kann zu Fehlverhalten bei Katzen führen. Hier kann die vorübergehende Unterbringung der Katze in einer Pension oder privaten Pflegestelle helfen, die Alleinherrschaftsansprüche aufzugeben und das Territorium mit dem Neuankömmling zu teilen. Gründe, die bei der Katze zu schweren Konfliktsituationen führen können, sind aus menschlicher Sicht manchmal lächerlich. So kann eine Katze deshalb ihre Stubenreinheit verlieren, weil die Möbel in dem Zimmer, in dem sich die Katze vorwiegend aufhält, umgestellt oder ausgetauscht worden sind.

Sie fühlt sich frustriert, weil sie ihren gewohnten Weg über Schrank, Sessel, Sofalehne zur Fensterbank nicht mehr beibehalten kann. Das menschliche Bett als "stilles Örtchen" zu benutzen, kommt vergleichsweise oft vor. Wenn alle Frustrationsmöglichkeiten beseitigt sind, das aber am Fehlverhalten nichts ändern konnte, empfiehlt es sich, eine Plastikfolie über das Bett zu legen. Eine glatte Unterlage bietet wesentlich weniger Auslösereize für die Instinkthandlung der Körperausscheidung. Eine mit dem Geruch von Miezes Exkrementen behaftete Stelle muss gründlich gereinigt und desodoriert werden, um die Katze nicht dauerhaft dazu zu animieren, sich an dem unerwünschten Ort zu "verewigen". Da Katzen sich selten unsauber verhalten, wenn ihr Pfleger zugegen ist, sondern Kot- und Harnabsetzen an unerwünschten Orten meistens dann ausgeführt wird, wenn das Tier sich allein in der Wohnung befindet oder sich unbeobachtet fühlt, kann es sich bei diesem Fehlverhalten auch schlicht um Langeweile handeln, was bei ihr eine Konfliktsituation auslösen kann.

Für die Zeit des Alleinseins sollte für viel Ablenkungsmöglichkeiten gesorgt werden. Kleine Spielgegenstände, Kartons und Schachteln, in die sich Katzen gerne verkriechen, helfen, die Zeit des Alleinseins zu überbrücken. Nach Rückkehr des Katzenhalters sollte dieser sich der Katze intensiv widmen und auf ihre Betätigungswünsche eingehen. Es könnten noch viele Beispiele angeführt werden, die zur Unsauberkeit der Katze führen können. Es bedarf guter Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und Erfindungsgeist, um nicht zu sagen: kriminalistischen Spürsinn, um die individuellen Beweggründe für dieses Fehlverhalten herauszufinden. Abschließend sei gesagt, dass gerade bei gravierenden Verhaltensstörungen energische Erziehungsmaßnahmen, wie Verprügeln oder das Näschen der Katze in die Pfütze zu tauchen, sinnlos sind und von der Katze nicht verstanden werden. Es wird eher das Gegenteil erreicht. Nur wenn die Katze in flagranti erwischt wird, wenn sie in Gegenwart des Halters an unerwünschten Plätzen Körperausscheidungen absetzt, kann eine angemessene Bestrafung zum Erfolg führen.

Die beste "Bestrafung": die Katze vorsichtig am Nackenfell hochheben und ins Katzenklo tragen. Wenn bestrafen, dann nur auf frischer Tat. Jedem Strafreiz voraus muss es immer stehen, nach den Gründen für den Verlust der Stubenreinheit der Katze zu forschen. Es gibt homöopathische Mittel, mit denen die Stubenunreinheit erfolgreich behandelt werden kann. Die denkbar schlechteste Lösung ist es, sich der Katze auf irgendeine Weise einfach zu entledigen. Man tut ihr auch keinen Gefallen, indem man sie auf einen Bauernhof bringt, wo sie sich mit den bereits vorhandenen Hofkatzen auseinander setzen muss. Dort muss sie dann in aller Regel ein unversorgtes Leben fristen und findet wegen schlechter Versorgung, Krankheit oder Abschuss einen frühen Tod.

Quellenangabe: www.tierheim-muenster.de
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