Verkäufer erzählen leider viel... denn sie wollen verkaufen.
Kaninchen sind von Natur aus Kräuterfresser. Ein Kaninchen in freier Wildbahn ernährt sich in erster Linie also von Krautartigen Pflanzen (z.B. Löwenzahn, Gänseblümchen etc.). Es ergänzt seinen Speiseplan mit Gras und Zweigen von Bäumen und Sträuchern. Diese Kost ist sehr arm an Stärke, aber reich an Mineralien und Vitaminen.
Die Verdauung der Kaninchen (auch unserer Hauskaninchen) ist genau auf diese Kost spezialisiert. Eine Reihe von Bakterien im Darm hilft bei der Verdauung. Ihr Darm ist kaum von Muskeln umgeben, die Nahrung wird weitergeschoben, indem weitere von oben nachschiebt.
Die Zähne sind auf Kräuter und Gräser ausgelegt. Denn diese enthalten die sog. Kieselsäure, das sind kleinste Kristalle. Kaut das Kaninchen darauf herum, werden seine Zähne abgeschmirgelt. Kaninchen haben sich darauf anpassen müssen, ihre Zähne wachsen nach. Daher können Kaninchen dieses Futter fressen.
Nun kam vor einigen Jahren die Futtermittelindustrie auf die Idee, es den Kaninchenhaltern einfach zu machen und brachte Futtermittel auf den Markt. Das Trockenfutter für Kaninchen.
Dieses Zeug enthält vor allem Getreide und viele andere Dinge. Man machte Kaninchenhalter glaubend, Kaninchen bräuchten dieses Futter. Eine Zeitlang verbreitete sich sogar die Einstellung, man sollte gar kein Frischfutter füttern
In letzter Zeit stellte man fest, dass dieses Futter überhaupt nicht gut ist. Ganz im Gegenteil. Es schadet den Kaninchen sehr. Dazu gibt es gleich mehrere Gründe.
Getreide - Es enthält sehr viel Stärke. Diese Stärke liefert Energie. Wird die Energie nicht verbraucht, wird sie in Form von Fett gespeichert. Die Tiere verfetten. Oft nicht ersichtlich, es kommt zur sog. Fettleber.
Weiterhin ist die Verdauung, wie erwähnt, nicht auf diese Mengen an Stärke angepasst. Das ist sehr schlecht, denn es bringt die Darmflora der Kaninchen total durcheinander. Bakterien vermehren sich, die sich gar nicht so stark vermehren sollen und verdrängen andere Bakterien. Wichtige Nährstoffe können dadurch nicht mehr aufgenommen werden. Zusätzlich kann es zur Aufgasung kommen (dieses Gas wird von den Bakterien die sich vermehren produziert). Die sog. Trommelsucht.
Trockenfutter ist trocken, oft noch gepresst (Pellets). Es quillt in Verbindung mit Flüssigkeit auf. Das Tier wird satt und ihm wird zudem Wasser entzogen, welches vom Kaninchen aber nicht wieder genug aufgenommen wird. Dadurch werden überschüssige Mineralien nicht mehr ausgeschieden. Sie werden eingelagert. Es kommt z.B. zu Nieren und Blasenschäden.
Dieses Trockenfutter wird zudem schnell aufgenommen, nicht lange gekaut. Dadurch nutzen sich die Zähne nicht genug ab. Weiter noch. Das Tier wird schneller satt und frisst dadurch nicht lange genug. Die Nahrung liegt zu lange in Magen und Darm und fängt an zu gären. Es kommt auch hier zur Aufgasung. Zudem wird weniger gekaut. Wieder ein Grund für Zahnschäden, daraus folgenden Abszessen und anderen unschönen Auswirkungen.
Handelsübliches Trockenfutter hat oft ein falsches Nährstoffverhältnis und das führt zu weiteren Krankheiten.
Vieles wird nicht bemerkt, denn Kaninchen verstecken Schmerzen und Leid sehr gut. Und manche werden trotzdem alt. Daher kam lange niemand auf die Idee, über die Auswirkungen dieser Fütterung nachzudenken. Zum Glück ist das nun andres geworden.
Lange (sogar sehr lange) Rede kurzer Sinn: Handelübliches Trockenfutter ist schlecht für Kaninchen. Es macht krank.
Kraftfutter brauchen einige Kaninchen (z.B. einige deutsche Riesen), wenn sehr viel Energie benötigt wird. Aber das ist eher die Ausnahme.
Der Speiseplan des Kaninchen sollte in erster Linie aus frischen Kräuter und Gras bestehen. Beides muss manchmal (oder öfters) durch Heu (welches immer zur Verfügung stehen sollte) ersetzt werden. Zusätzlich sollten Zweige und Gemüse gefüttert werden.
Grundsätzlich gilt, je abwechslungsreicher, desto besser.
Weitere Infos zur Fütterung findest du z.B. auch auf
www.diebrain.de.
Ist nun sehr lange geworden, sorry. Ich hoffe, es ist trotzdem verständlich.